Kaffeemarkt im Wandel: DISQ-Studie 2026 zeigt Sieger und Verlierer – Segafredo vorn, Preisbrecher aus China rütteln an der Branche.
Die Deutschen lieben ihren Kaffee, ob zum Mitnehmen oder für eine entspannte Pause im Café. Doch wie zufrieden sind die Kunden wirklich mit den großen Coffee-Shop-Ketten? Eine aktuelle, repräsentative Umfrage des Deutschen Instituts für Service-Qualität (DISQ) im Auftrag von ntv liefert detaillierte Einblicke. Die Ergebnisse zeigen ein Spannungsfeld zwischen Qualität, Ambiente und einem immer wichtiger werdenden Faktor: dem Preis .

Kaffeemarkt im Wandel
Das Ranking der Coffee-Shops 2026
Die Studie, für die über 1.000 Kundenmeinungen ausgewertet wurden, zeichnet ein klares Bild der Branche. Während neun der zehn untersuchten Ketten ein „gutes“ Qualitätsurteil erreichen, setzt sich ein klarer Sieger ab.
- Platz 1: Segafredo (Qualitätsurteil: „gut“) – Der italienische Anbieter sichert sich die Spitzenposition. Die Kunden zeigen sich begeistert von der Filialgestaltung, dem Kundenservice, dem Angebot und der Beratungskompetenz. Besonders hervorzuheben ist, dass 95 Prozent der Besucher das Ambiente positiv bewerten – ein echter Wohlfühlfaktor, der die hohe Weiterempfehlungsbereitschaft erklärt.
- Platz 2: Espresso House (Qualitätsurteil: „gut“) – Die schwedische Kette punktet ebenfalls mit einem breiten Angebot an Kaffeespezialitäten und einer ansprechenden Filialgestaltung. Mit einem Net Promoter Score (NPS) von +20,7 liegt sie über dem Branchendurchschnitt.
- Platz 3: Tchibo Coffee Bar (Qualitätsurteil: „gut“) – Die bekannte Marke überzeugt besonders durch Service und Beratungskompetenz und erzielt die höchste Weiterempfehlungsbereitschaft unter den Top 3. Dies unterstreicht den aktuellen Kurs von Tchibo, in moderne Coffee-Bars mit Barista-Qualität und Aufenthaltsqualität zu investieren .
Weitere untersuchte Anbieter sind Campus Suite, Coffee Fellows, Copenhagen Coffee Lab, Cotti Coffee, LAP Coffee, Starbucks und Woyton.
Die Erfolgsfaktoren: Ambiente und Sortiment zählen
Die Studie zeigt, was die Kunden schätzen: Ein breites Sortiment an Kaffeespezialitäten (82 Prozent Zufriedenheit) und ein positiver Kundenservice (84 Prozent) sind die Hauptpfeiler für zufriedene Gäste . Die Investition in eine angenehme Wohlfühlatmosphäre in den Filialen zahlt sich aus. Knapp 80 Prozent bewerten das Ambiente positiv, und rund ein Viertel der Befragten gönnt sich mehrmals pro Woche eine Kaffeeauszeit.
Das Manko: Das Preis-Leistungs-Verhältnis
Trotz der guten Gesamtnote zeigt sich ein deutlicher Nachholbedarf beim Preis-Leistungs-Verhältnis. Rund 36 Prozent der Kunden sind damit unzufrieden und empfinden die Preise im Vergleich zur Qualität als zu hoch . Diese Lücke nutzen die chinesischen Mitbewerber Cotti Coffee und LAP Coffee eiskalt aus. Sie sind die einzigen Anbieter, die in diesem Teilbereich das Kundenurteil „gut“ erreichen . Durch ihre aggressive Preispolitik – Cotti Coffee wirbt mit Espresso für 99 Cent oder 1,99 Euro für einen Matcha Latte – stellen sie die etablierten Preismodelle infrage.
Analyse: Der Kampf um die Kaffeetasse
Die DISQ-Befragung offenbart eine Branche im Umbruch. Während Segafredo und Espresso House mit Qualität, Ambiente und Service für ein gemütliches Kaffeehaus-Gefühl stehen, setzen Newcomer wie Cotti Coffee auf ein völlig anderes Modell: Effizienz, Digitalisierung (Bestellung per App) und aggressive Kampfpreise . LAP Coffee, obwohl ebenfalls preiswert, sieht sich selbst als Anbieter von gutem Kaffee für den Alltag und nicht als reine Billigmarke .
Die eher niedrige Weiterempfehlungsbereitschaft (NPS +16,5) über alle Ketten hinweg deutet darauf hin, dass die Kundenbindung eine große Herausforderung bleibt. Wie DISQ-Geschäftsführerin Bianca Möller betont, sind zwar ein breites Sortiment und eine angenehme Atmosphäre zentrale Erfolgsfaktoren, für eine langfristige Kundenbindung müsse jedoch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen . Die Zukunft wird zeigen, ob die „Premium-Ketten“ diesen Spagat meistern und ob die Billig-Anbieter ihre Niedrigpreise dauerhaft halten können – oder ob sie, wie von Branchenkennern befürchtet, nach einer Konsolidierungsphase die Preise anheben .

